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Vietnam bis 90 Tage: Was mit dem eVisa realistisch geht
Stand: 1. September 2026 · Lesezeit ca. 9 Minuten
Vietnam ist ein starkes Land zum Testwohnen, aber kein Fall für erfundene „Rentnervisum“-Abkürzungen. Die offizielle eVisa-Auskunft ist klar: bis zu 90 Tage, einmalige oder mehrfache Einreise. Alles darüber braucht eine andere, konkret belegte Grundlage. Dieser Text ordnet ein, was das eVisa kann, was die Visa-Befreiung bedeutet und welchen Platz Vietnam im Absprung einnimmt.
Was das eVisa leistet
Das vietnamesische Immigration Department stellt elektronische Visa mit einer maximalen Gültigkeit von 90 Tagen aus. Je nach Antrag kann das Visum für eine einmalige oder mehrfache Einreise erteilt werden. Damit lässt sich ein realistischer Probeaufenthalt planen: Stadt und Viertel testen, Kosten beobachten, Termine erledigen und prüfen, ob Vietnam überhaupt zum eigenen Alltag passt.
Das eVisa im Detail: bis 90 Tage, Single oder Multiple Entry
Der Antrag läuft ausschließlich über das Portal evisa.gov.vn des Immigration Department. Du lädst ein Passfoto und die Datenseite des Passes hoch, gibst Reisezweck, geplanten Einreiseort und den gewünschten Zeitraum an und bezahlst online. Laut Portal beträgt die Gebühr 25 US-Dollar für die einmalige und 50 US-Dollar für die mehrfache Einreise; die Bearbeitung wird mit etwa drei Arbeitstagen angegeben. Beide Angaben gelten für den Direktantrag; Agenturen schlagen eigene Servicegebühren auf. Prüfe die Beträge vor dem Antrag auf dem Portal.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Gültigkeitszeitraum und Aufenthalt: Das eVisa nennt ein konkretes Einreise- und ein konkretes Ausreisedatum. Innerhalb dieser Spanne darfst du dich in Vietnam aufhalten, mit Multiple Entry auch mehrfach aus- und wieder einreisen. Die 90 Tage laufen nicht „ab Einreise“, sondern sind der Rahmen, den du selbst im Antrag setzt. Wer erst zwei Wochen später einreist als beantragt, verschenkt diese zwei Wochen.
| Merkmal | Visa-Befreiung (deutscher Pass) | eVisa Single Entry | eVisa Multiple Entry |
|---|---|---|---|
| Maximale Dauer | 45 Tage pro Einreise | bis 90 Tage | bis 90 Tage |
| Antrag nötig | Nein | Ja, online | Ja, online |
| Gebühr laut Portal | Keine | 25 USD | 50 USD |
| Aus- und Wiedereinreise | Neue Einreise, neue 45 Tage (nicht garantiert) | Beendet das Visum | Innerhalb des Zeitraums möglich |
| Arbeitserlaubnis | Nein | Nein | Nein |
Visa-Befreiung für deutsche Staatsangehörige: 45 Tage — und was das für die Planung heißt
Deutsche Staatsangehörige dürfen laut Auswärtigem Amt derzeit bis zu 45 Tage ohne Visum nach Vietnam einreisen. Die Regelung wurde von der vietnamesischen Regierung befristet verlängert; der Pass muss bei Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein. Für einen ersten Blick auf das Land reicht das oft aus.
Für die Planung bedeutet das: Die Befreiung ist der einfachere Weg, das eVisa der längere. Wer von vornherein weiß, dass er zwei bis drei Monate am Stück bleiben will, beantragt besser das eVisa, statt nach 45 Tagen aus- und wieder einzureisen. Denn die Befreiung ist eine Einreiseerleichterung, kein Anspruch: Ob und wie oft du direkt hintereinander visumfrei einreisen darfst, entscheidet der Grenzbeamte im Einzelfall. Stand September 2026 prüfen — Vietnam passt seine Einreiseregeln regelmäßig an, und die Verlängerung der Befreiung ist befristet.
Was daraus nicht folgt
Aus dem eVisa folgt kein dauerhaftes Aufenthaltsrecht, keine Ruhestandskategorie und keine Arbeitserlaubnis. Eine Reihe aufeinanderfolgender Kurzaufenthalte ist kein belastbarer Ersatz für einen langfristigen Status. Wer beschäftigt, unternehmerisch oder dauerhaft vor Ort tätig werden will, braucht eine gesonderte Prüfung der passenden Grundlage.
Für einen ersten 30-, 60- oder 90-Tage-Test ist das eVisa ein klares Werkzeug. Für „ich lebe jetzt dauerhaft in Vietnam“ ist es keine fertige Lösung. Genau diese Grenze sollte vor Wohnung, Vertrag oder Geschäftsaufbau bekannt sein.
Warum Vietnam kein Digital-Nomad-Visum hat — und was Leute stattdessen tun
Thailand hat das DTV, Malaysia den DE Rantau Pass, Indonesien ein eigenes Remote-Worker-Visum. Vietnam hat nichts davon. Es gibt keine Aufenthaltskategorie für Menschen, die im Land leben und für Kunden im Ausland arbeiten. Das ist der aktuelle Stand des Einwanderungsrechts, und daran ändern Agenturversprechen nichts.
Was Leute stattdessen tun, ist bekannt: Sie reihen eVisa aneinander oder kombinieren Visa-Befreiung und eVisa mit kurzen Ausreisen nach Bangkok, Kuala Lumpur oder Phnom Penh. Diese „Visa-Runs“ werden in der Praxis meist geduldet. Sie sind aber kein Aufenthaltsstatus. Du bist bei jeder Wiedereinreise Tourist, hast keine Meldeadresse im rechtlichen Sinn, kannst kein Bankkonto auf dieser Grundlage eröffnen und arbeitest formal nicht legal im Land.
Die echten Wege sind schmaler, aber tragfähig. Ein Arbeitsvisum setzt einen vietnamesischen Arbeitgeber und eine Arbeitserlaubnis voraus. Ein Investorenvisum setzt eine eigene Firma in Vietnam mit tatsächlich eingebrachtem Kapital voraus, wobei die Visumsdauer nach Kapitalhöhe gestaffelt ist. Erst auf einer dieser Grundlagen wird die Temporary Residence Card (TRC) möglich — die Karte, die mehrjährigen Aufenthalt ohne ständige Ausreisen erlaubt. Sie ist kein eigenständiges Produkt, sondern folgt aus Firma oder Anstellung.
Für Unternehmer heißt das: Wer eine vietnamesische Firma gründet, um daraus einen Aufenthaltsstatus abzuleiten, gründet eine echte Gesellschaft mit Buchhaltung, Steuerpflicht und Berichtspflichten — nicht eine Hülle. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, ob das Geschäft wirklich in Vietnam stattfindet. Experten vor Ort, die beratend tätig sind, können das im Einzelfall einordnen. Aus der Ferne lässt es sich nicht seriös versprechen.
Saigon, Hanoi oder Da Nang: Wo Aufbauer testen
Ho-Chi-Minh-Stadt ist das wirtschaftliche Zentrum: die meisten Coworking-Spaces, internationale Schulen, Direktflüge und eine Unternehmerszene, die schnell Kontakte liefert. Dafür Lärm, Verkehr und Mieten, die in den beliebten Vierteln merklich über dem Landesschnitt liegen.
Hanoi ist politischer Sitz und deutlich stärker vietnamesisch geprägt. Wer Behördennähe, Ministerien oder Zulieferer im Norden braucht, ist hier richtig. Die kalten, feuchten Winter überraschen viele.
Da Nang ist die kleinere, ruhigere Option am Meer mit guter Infrastruktur und einer wachsenden Remote-Szene. Für einen Aufbau mit lokalem Team ist der Talentpool dünner; als reiner Testort ist die Stadt dagegen oft die beste Wahl.
Steuern in Vietnam: Ansässigkeit ab 183 Tagen
Wer sich in einem Kalenderjahr oder in zwölf aufeinanderfolgenden Monaten 183 Tage oder länger in Vietnam aufhält, gilt dort steuerlich als ansässig — mit der Folge, dass das weltweite Einkommen in Vietnam steuerpflichtig wird. Auch eine Temporary Residence Card oder ein Mietvertrag über 183 Tage oder mehr kann die Ansässigkeit auslösen. Für den 90-Tage-Test ist das kein Thema. Für den Plan „zwei eVisa hintereinander plus ein paar Wochen visumfrei“ sehr wohl. Die Details zu Sätzen, Abkommen und der deutschen Seite gehören nicht in diesen Text; die Grundlagen zur 183-Tage-Regel und ihrer Grenzen findest du im Wissensbereich.
Der ehrliche Platz Vietnams im Baukasten: Leben ja, Struktur woanders
In einem sauber gebauten Absprung trennen wir drei Fragen: Wo lebst du, wo sitzt deine Firma, wo bist du steuerlich ansässig. Vietnam beantwortet die erste Frage gut. Die Lebenshaltungskosten sind niedrig, das Essen ist hervorragend, die Menschen sind zugänglich, und Saigon liegt zwei Flugstunden von Bangkok und Singapur entfernt. Im Kostenvergleich der Region liegt Vietnam regelmäßig am unteren Ende.
Die zweite Frage beantwortet Vietnam für die meisten deutschen Unternehmer nicht. Eine vietnamesische Gesellschaft ist für ein Geschäft mit Kunden in Europa selten die richtige Hülle: Kapitalverkehrskontrollen, Buchhaltungspflichten in vietnamesischer Sprache und ein Bankensystem, das für internationale Zahlungsströme umständlich ist. Die Struktur sitzt daher in der Regel woanders — häufig in Singapur, mit Wohnsitz in Thailand oder einem anderen Land der Region, das einen tragfähigen Aufenthaltsstatus bietet.
Die dritte Frage ist die entscheidende, und sie wird durch Vietnam eher komplizierter als einfacher: Ohne belastbaren Aufenthaltsstatus fehlt dir ein Ort, den du dem deutschen Finanzamt als neuen Lebensmittelpunkt nachweisen kannst. Wer nur zwischen eVisa-Aufenthalten pendelt, hat abgemeldet, aber nirgendwo angekommen. Genau das ist das Muster, das später teuer wird.
Vor dem Antrag prüfen
1. Ist die genutzte Website die offizielle Domain evisa.gov.vn?
2. Stimmen Name, Passnummer, Gültigkeit und Foto exakt mit dem Pass überein?
3. Ist der geplante Grenzübergang für eVisa-Einreisen zugelassen?
4. Wird Single oder Multiple Entry wirklich benötigt?
5. Liegen An- und Abreise innerhalb der erteilten Daten — nicht nur innerhalb von „90 Tagen ab heute“?
6. Ist geklärt, was nach dem Testaufenthalt rechtlich und praktisch folgen soll?
Ein sinnvoller 90-Tage-Test
Phase 1 — Alltag: zwei Wochen nicht wie im Urlaub leben, sondern Arbeitsweg, Internet, Gesundheit, Bank- und Behördenwege testen.
Phase 2 — Tragfähigkeit: belastbare Monatskosten erfassen und prüfen, ob Einkommen, Versicherung und Aufenthaltsrhythmus zusammenpassen.
Phase 3 — Entscheidung: erst dann klären, ob eine konkrete längerfristige Aufenthalts- oder Arbeitsgrundlage existiert. Ohne Primärquelle bleibt sie eine offene Frage, keine Verkaufsbehauptung.
Was das für deinen Absprung heißt
Nutze Vietnam für das, was es gut kann: einen ehrlichen, günstigen Test, ob Südostasien überhaupt dein Alltag sein soll. Beantrage dafür das eVisa direkt beim Portal oder reise für die ersten Wochen visumfrei ein. Erwarte aber nicht, dass sich aus diesem Test ein Aufenthaltsstatus ergibt — den bekommst du in Vietnam nur über Firma oder Anstellung, und beides ist eine unternehmerische Entscheidung, keine Visumsfrage.
Wenn Vietnam am Ende des Tests bleibt, gehört es als Lebensort in den Baukasten, während Firma und steuerliche Ansässigkeit an einem Ort sitzen, der beides sauber trägt. Wie sich Aufenthalt, Struktur und Steuerpflicht in der Region kombinieren lassen, zeigt der Vergleich der thailändischen Visa-Wege als Gegenstück — dort gibt es die Kategorien, die Vietnam fehlen.
Kurz gefragt
Kann ich mit dem eVisa 90 Tage bleiben?
Das offizielle Portal nennt maximal 90 Tage. Entscheidend sind die Daten des tatsächlich erteilten Visums.
Brauche ich als Deutscher überhaupt ein eVisa?
Für bis zu 45 Tage nicht. Wer länger am Stück bleiben will, beantragt das eVisa vor der Einreise. Die Befreiung ist befristet, Stand vor der Reise prüfen.
Ist Multiple Entry immer besser?
Nur wenn Aus- und Wiedereinreisen geplant sind. Die passende Variante folgt dem Reiseplan, nicht dem vermeintlich größeren Etikett.
Kann ich damit in Vietnam arbeiten?
Das eVisa ist keine pauschale Arbeitserlaubnis. Tätigkeit, Auftraggeber und passende arbeitsrechtliche Grundlage sind separat zu prüfen.
Sind Visa-Runs verboten?
Sie werden meist geduldet, sind aber kein Aufenthaltsstatus. Jede Wiedereinreise liegt im Ermessen der Grenzbehörde, und ein Lebensmittelpunkt lässt sich darauf nicht aufbauen.
Wie bekomme ich eine Temporary Residence Card?
Nur über eine belastbare Grundlage: Arbeitserlaubnis mit vietnamesischem Arbeitgeber oder eine eigene Firma mit eingebrachtem Kapital. Ohne eines von beidem gibt es keine TRC.
Wir planen den Probeaufenthalt so, dass am Ende eine echte Entscheidung steht: Vietnam weiterverfolgen, als Teil einer regionalen Route nutzen oder bewusst verwerfen. Erstgespräch ansehen →
Weiterlesen
Primärquellen
- Vietnam Immigration Department — offizielles eVisa-Portal und Informationen (Gültigkeit, Single/Multiple Entry, Gebühren).
- Auswärtiges Amt — Vietnam: Reise- und Sicherheitshinweise, Abschnitt Einreise und Visum (visumfreie Einreise für deutsche Staatsangehörige).
- Vietnam Immigration Department — Informationen zu Aufenthaltstiteln und Temporary Residence Card.